I don't do forum

Jeder, der seine Meinung der Welt kundtun will, betreibt heutzutage einen Blog. Oder er verbreitet sein Wissen und seine Ansichten in Foren, in denen er mit andern, die ebenfalls diese Absichten haben, streitet, was regelmäßig zu schriftlich geführten Weltkriegen ausufert.

Ich nicht.

Ich blogge nicht. Ich habe eine Homepage. Auf der stelle ich Informationen zur Verfügung, die ich für wissenswert und interessant halte. Eine Kommentarfunktion gibt es bei mir nicht. Wer anderer Meinung ist als ich, darf mir das gerne in geeigneter Form mitteilen. Eine Bühne für seine Ansichten bekommt er von mir jedoch nicht.

Mich erstaunt immer wieder der Glaube, man könne mit Hilfe von Diskussionsforen Meinungsverschiedenheiten klären. Was ich immer wieder beobachten muss, ist das genaue Gegenteil dessen. Die Gräben in den Köpfen der Beteiligten werden im Laufe der Diskussion immer tiefer.

Manchmal geht Forum. Wenn ein fest umrissenes Ziel zu erreichen ist, wie zum Beispiel ein Fremo-Modularrangement zu entwickeln. Wenn es die Möglichkeit für einen nachlesbaren Informationsaustausch innerhalb einer Gruppe von Organisatoren geben muss. Wenn allen Mitgliedern dieser Gruppe das Ziel klar ist und womöglich auch ein fester Endtermin existiert. Dann kann ein Forum ein effektives Werkzeug für die Zusammenarbeit sein. Eine E-Mail-Verteilerliste tut es in der Regel jedoch auch.

Wenn es jedoch um einen Meinungsaustausch oder um Meinungsbildung in einer offenen Gruppe geht, dann ist ein Diskussionsforum das dafür ungeeignete Medium.

Warum führt ein schriftlicher Meinungsaustausch so selten zu einem Ergebnis?

Meiner Meinung nach liegt es daran, wie Menschen sich in Diskussionen verhalten. Nur ein geringer Teil der Information ist Sachinformation. Kommunizieren Menschen von Angesicht zu Angesicht kann jeder die Wirkung seiner Aussagen sofort und direkt beobachten - und die Form der Kommunikation ggf. anpassen. Stimme, Betonung, Mimik, Gestik, Körpersprache usw. sind wichtige begleitende Teile bei der Übertragung der Sachinformation. Manche Kommunikation enthält sogar gar keine Sachinformation und hat trotzdem eine Wirkung. Weil das alles bei schriftlichen Formulierungen fehlt, müssen sie viel präziser sein. Das kostet Zeit und Mühe! Und Können! Und das Bewusstsein, dass es das kostet! Seitdem es Archäologen gelungen ist, heute unbekannte Schriften zu übersetzen, wissen sie: Schrift ist eine reduzierte Form einer Sprache. Und Sprache ist eine reduzierte Form des Denkens. Alles also, was wir lesen können, ist ein nur schwer zu dechiffrierender Gedanke. Missverständnisse sind beim schriftlichen Gedankenaustausch vorprogrammiert. Wenn sich der Autor zudem auch noch wenig Mühe bei seinen Ausführungen macht und der Gegenstand der Betrachtung eine gewisse Komplexität besitzt, erleben wir das, was sich in Foren abspielt: Missverständnisse, Fehlinterpretationen, Aggressionen, Eskalationen.

Ebenfalls ungeeignet ist ein Forum zur dauerhaften Dokumentation, also zur Ablage von Dokumenten. Wer weiß nach 2 Jahren schon noch, in welchem der 150 Posts des inzwischen auf über 300 Themen (Fäden/Threads) angewachsenen Forums die Beschreibung der Parameter des Spacks-Boosters enthalten ist? Oder: Lag das Dokument für den Signalschacht in dem Forum der Einheitsfront von Judäa oder in dem der Judäischen Einheitsfront? Und wenn ich doch etwas finde: Ist das die aktuelle Version oder ist eine neuere woanders angelegt? Nein, Dokumentationen gehören an eine zentrale Stelle. Diese Stelle wird publiziert. Die Dokumente dort werden ggf. aktualisiert und, wenn notwendig, in verschiedenen Versionen vorgehalten.

Wann also braucht man ein Forum? Selten!